oktober 2026, 380 s., format ebook (pdf)
isbn 978-3-911679-34-3
reihe Das regionale Fachbuch
auch als Printausgabe erhältlich
Die Kunst- und Kulturgeschichte Südostasiens ist im deutschsprachigen Raum bis heute weitgehend unbekannt. Es fehlen akademische Strukturen ebenso wie eine stärkere Präsenz im Kunstbetrieb. Werner Kraus unternimmt mit Die Vergessenen – Yang Terlupakan einen ersten Schritt, diese Lücke zu schließen.
Im Fokus stehen Künstler, Zeichner, Maler und Fotografen der frühen Moderne, die nicht nur in Europa und Nordamerika, sondern auch in ihren Herkunftsländern in Vergessenheit geraten sind. Da grundlegende Forschungen fehlen, folgt das Buch biografischen Spuren, rekonstruiert Verbindungen und legt ein bislang kaum erschlossenes Netzwerk künstlerischer und kultureller Beziehungen frei. Die Fallstudien eröffnen dabei überraschende Perspektiven auf eine Kunstgeschichte, die weit über nationale Grenzen hinausweist. In Myanmar etwa prägte die Fotografie die Entwicklung der Malerei. Auf den Philippinen und in Indonesien wurden transkulturelle Verflechtungen im Zuge nationalistischer Bewegungen teilweise bewusst ausgeblendet. In Surakarta auf Java hingegen nutzten Akteure äußere Einflüsse gezielt, um kulturelle Veränderungen anzustoßen.
Auch europäische Künstler erscheinen in einem neuen Licht: Ein preußischer Maler arbeitete in Singapur und wurde durch seine Erfahrungen dort so nachhaltig geprägt, dass eine Rückkehr nach Berlin für ihn nicht mehr denkbar war. Ein sächsischer Publizist wiederum tritt auf Java hingegen als Pionier der Fotografie hervor.
Werner Kraus erzählt damit nicht nur von vergessenen Künstlern, sondern von einer Kunstgeschichte, die immer schon von Bewegung, Austausch und gegenseitiger Beeinflussung geprägt war – und zeigt, dass kulturelle Verflechtung kein Phänomen der Gegenwart ist, sondern seit Jahrhunderten zur Geschichte Südostasiens und der Welt gehört.